Fachdialog Primärversorgungssystem

Ein reines Hausarztmodell wird’s nicht

Berlin (opg) – Die Einführung eines Primärversorgungssystems wird zum Prestigeprojekt von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). In ihrem Haus startet am 27. Januar der Fachdialog mit den relevanten Stakeholdern im Gesundheitswesen. Nach dem ersten Gespräch treten Warken, Dr. Andreas Gassen, Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), und Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands (GKV-SV), vor die Presse und umreißen das Vorhaben. Dabei wird klar, in welchen Punkten bereits Konsens herrscht.
 

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Pressekonferenz am 27. Januar mit (von links) Dr. Andreas Gassen (KBV), Nina Warken und Stefanie Stoff-Ahnis (GKV-SV) © picture alliance/dpa, Fabian Sommer

Warken erläutert, worum es ihr geht: mehr Orientierung für die Patienten, klare Steuerung und Navigation, schnellere fachärztliche Versorgung. „Bisher läuft der Erstkontakt ohne Steuerung, ohne Koordination. Das führt dann zwangsläufig zu einer ineffizienten Nutzung und zu langen Wartezeiten. Das wollen wir und das werden wir ändern.“ Umso wichtiger sei die Einführung eines Primärversorgungssystems. Bis Sommer will Warken einen Referentenentwurf vorlegen, der in diesem Jahr das Bundeskabinett passieren soll, kündigt sie am 27. Januar an.
 

Gesundheitsministerin Warken plant ein digitales beziehungsweise telefonisches Verfahren zur Ersteinschätzung sowie ein bundesweit standardisiertes Terminportal. © iStock.com, damircudic

Bundesweit einheitliches Terminportal 
Wesentliche Bestandteile sollen dabei ein verlässliches digitales beziehungsweise telefonisches Verfahren zur Ersteinschätzung sowie ein bundesweit standardisiertes Terminportal sein. Dazu habe die „116117“, die auch als App zur Verfügung steht, das Potenzial, findet Gassen. Sie müsse dann natürlich weiterentwickelt werden. „Das ist nicht trivial.“ Und auch die Kosten dürften nicht allein von den Kassenärztlichen Vereinigungen getragen werden. Stoff-Ahnis setzt auf einen konsequenten digitalen Versorgungspfad durch elektronische Ersteinschätzung, elektronische Überweisung und elektronische Terminvermittlung. 
 

Warken: HzV weiterhin möglich

Ein reines Hausarztmodell ist unwahrscheinlich. „Wir brauchen auf jeden Fall Ausnahmen“, macht Warken deutlich. Als Beispiele nennt sie Kinderärzte, Augenärzte, Gynäkologen oder Zahnärzte. Auch chronisch Kranke sollten nicht zwingend über den Hausarzt zum Gebietsarzt gelangen. Und das Ganze soll schließlich Primärversorgungssystem heißen. Diese Festlegung zeigt, dass Warken sensibilisiert ist für lobbyistische Tretminen. Lektion gelernt!

Gassen versteht das angedachte System dennoch als „primärärztliches“ Modell, womit auch die verfasste Ärzteschaft abgeholt wird. Schließlich habe der Mediziner die Diagnosehoheit.