Wissenschaftsrat

Radikaler Wandel hin zur Prävention

Berlin (pag) – Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier einen umfassenden Kulturwandel weg von einer bloßen Reparaturmedizin. „Eine starke Prävention und Gesundheitsförderung sind kein nice to have, sie sind systemrelevant – für die Sicherung unserer Gesundheits- und Sozialsysteme, aber auch für unsere Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so Prof. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, bei der Vorstellung des Papiers. 

Es brauche entschlossenes Handeln der Politik. Die Vernetzung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen müsse vorangebracht werden. Es bedarf eines effektiven Wissenstransfers sowie stärkerer öffentlicher Gesundheitsstrukturen. Etwa der Öffentliche Gesundheitsdienst und wissenschaftliche Einrichtungen seien aktuell nicht ausreichend vernetzt. „Anders als in anderen Ländern gibt es in Deutschland keine einzelne Einrichtung im Sinne eines Public-Health-Instituts“, bemängelt Wick eine institutionelle Leerstelle. Es brauche insgesamt eine präventiv und interprofessionell wie interdisziplinär ausgerichtete Versorgung. „Verbindliches Commitment“ fordert der Rat in allen Gesellschaftsbereichen, die wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit haben.
 

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Prof. Cornelia Betsch, Direktorin des Institutes for Planetary Health Behaviour der Universität Erfurt, legt bei der Vorstellung den Finger in die Wunde: „Heute ist Prävention zu häufig projektförmig, fragmentiert, wenig evaluiert und nicht ausreichend koordiniert.“ Es brauche systematische Strukturen, welche es ermöglichen, von der Evidenz zur Umsetzung zu kommen. Dabei müssten Verhaltens- und Verhältnisprävention gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Betsch betont, dass es nicht um Bevormundung gehe, sondern darum, eine Umgebung zu schaffen, die Gesundheit fördert, statt sie zu untergraben: „Wir befinden uns aktuell nicht in einer neutralen Konsumumgebung, sondern im Moment wird sie vor allem durch die Interessen der Industrie gestaltet.“ Ein Beispiel seien die Steuern auf Zucker, bei denen die Hersteller ein großes Interesse daran haben, dass diese nicht erhöht werden.
 

Link: Wissenschaftsrat, Positionspapier, Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln – in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft, 2. Februar 2026, PDF, 174 Seiten