Hausärzteverband

„Nein, das Bein ist nicht nachgewachsen“

Berlin (pag) – Hausarztfunktionär Ulrich Weigeldt will die Frage des Dispensierrechts in unterversorgten Regionen auf die Tagesordnung setzen. Außerdem sieht er die elektronische Patientenakte (ePa) kritisch. Der Entwurf der neuen Approbationsordnung mit einem aufgestockten Anteil Allgemeinmedizin trifft auf ein positives Echo.

In einem Pressegespräch äußert sich Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, zu aktuellen Gesetzen und Entwicklungen im Gesundheitswesen. Ihn „nervt vor allem der Stress mit den Krankenkassen“ – sowohl bezogen auf die Bürokratie als auch auf das Leistungsgeschehen. „Nein, das Bein ist nicht nachgewachsen“, laute eine Antwort auf regelmäßiges Nachfragen der Kasse. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung online erstellen und im Ausdruck mitgeben sei ein anderes Beispiel. Von der ePa hält Weigeldt nichts. Sie störe den Workflow in der Praxis und der Patient bestimme, welche Informationen dem Arzt zugänglich seien.

Von der ePa hält Ulrich Weigeldt nichts. Sie störe den Workflow in der Praxis. © iStock. com, FG Trade

Völlig unausgegoren findet Weigeldt die Notfallreform von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die im Gesetzentwurf vorliegt. Weigeldt: „Sollen die Hausärzte jetzt auch noch sonntags arbeiten?“ Die Trägerschaft der Integrierten Notfallzentren (INZ) sei nicht geklärt. Und was den Sicherstellungsauftrag anbelangt: Dieser könne gern an die Kassen gehen, so wie das schon bei der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) in Baden-Württemberg der Fall sei. „Die Krankenkassen machen ihren Versicherten ein fast unbegrenztes Leistungsversprechen, dann sollen sie auch die Versorgung sichern“, meint Weigeldt. Seine Haltung zu Apps: „Die können schon mal hilfreich sein.“ Einen neuen Vorstoß fordert der Hausärzteverband in Sachen Dispensierrecht für Arztpraxen in dünn besiedelten Gebieten. Weigeldt: „Aber das finden die Apotheker nicht so gut.“