Angeborene Herzfehler

Kampagne gegen Unterversorgung gestartet

Frankfurt/Main (pag) – Über die Hälfte der Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) werden nicht adäquat versorgt. Mehr als 200.000 der Patienten erhalten derzeit nicht die notwendige Nachbetreuung bei einem Spezialisten. Das prangert die Deutsche Herzstiftung zum Start ihrer neuen Informationskampagne an.
 

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Kampagnenbild der Deutschen Herzstiftung

Über 350.000 Menschen in Deutschland zählen laut Stiftung zum Kreis der EMAH. Zwar habe die Medizin in den letzten Jahrzehnten riesige Fortschritte bei angeborenen Herzfehlern gemacht, weswegen die Sterblichkeit vor allem im Kindesalter stark gesunken sei, die EMAH-Patienten bedürften allerdings trotzdem lebenslanger spezialisierter Nachsorge. „Je komplexer ein Herzfehler, desto schlechter die Lebenserwartung. Das liegt an Folgeproblemen, mit denen diese Patienten auch nach Eingriffen, die initial erfolgreich waren, zurückgelassen werden“, erklärt Prof. Anselm Uebing, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler, beim Online-Pressegespräch zum Kampagnenstart. Das könnten etwa undichte Klappen, Narben oder Fehlbelastungen in Folge des Herzfehlers sein. Allerdings belegten viele Daten, dass die Risiken beherrschbar und kontrollierbar sind, wenn eine entsprechende Betreuung in spezialisiertem Umfeld erfolge. 

Prof. Brigitte Stiller, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, listet konkret auf, wie man die Versorgung verbessern kann: „Es braucht einen flächendeckenden Ausbau von zertifizierten EMAH-Zentren und Schwerpunktpraxen – auch außerhalb von Ballungsräumen. Den Patienten müssen wir verbindliche aktive Übergaben anbieten. Der Nationale Register muss weiterentwickelt, ausgebaut und finanziell unabhängig gemacht werden. Und wir müssen die Aufklärungskampagnen weiterführen.“ Aktuell seien etwa Spezialzentren im Land zu ungleich verteilt. Viele Patienten wüssten zudem nicht über die Notwendigkeit der Nachsorge Bescheid, beispielsweise weil sie sich gesund fühlen. „Oft werden die gesundheitlichen Folgeprobleme erst nach Jahrzehnten relevant“, betont Uebing. Deswegen sei die Nachsorge so entscheidend.

Weitere Informationen unter www.emah-check.de