Symposium

Kampf gegen den Krebs mit „Vision Zero“

Berlin (pag) – Die Krebsforschung und -behandlung machen große Fortschritte, dennoch bleibt die Krankheit auf dem Vormarsch. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Anlässlich des Symposiums „Innovations in Oncology“, das in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfindet, ruft ein Bündnis aus Experten die „Vision Zero“ aus: Denn jeder Krebstote ist einer zu viel.

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Veranstalter des Symposiums ist das Netzwerk gegen Darmkrebs. Dessen Präsidentin, Dr. Christa Maar, rückt bei der einleitenden Online-Pressekonferenz vor allem das Thema Vorsorge in den Fokus. „Wir könnten einen Großteil der Neuerkrankungen und Todesfälle verhindern, wenn die Prävention in unserem Gesundheitswesen einen anderen Stellenwert hätte“, so Maar. Probleme gebe es aber auch bei der Früherkennung – zum Beispiel beim Darmkrebs. Zu geringe Teilnehmerraten führten dazu, dass in Deutschland nur jeder fünfte Darmkrebs im Stadium eins entdeckt werde, in dem sich der Tumor noch vergleichsweise einfach operativ entfernen lässt. In den Niederlanden sei es dagegen jeder zweite.

Doch auch abseits von Prävention und Früherkennung gibt es Potenzial für Verbesserungen. „Wir wissen sehr viel mehr über den Krebs als vor 20 oder 30 Jahren“, betont Prof. Michael Hallek, Krebsforscher von der Uniklinik Köln. Allein: Dieses Wissen werde in der Versorgung nicht umgesetzt. Für Patienten schlägt sich das unter anderem im unterschiedlichen Zugang zu leitliniengerechten Therapien nieder, erläutert Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit. Weitere Probleme aus Patientensicht seien mangelnde Routine von Behandlerteams sowie das häufige Fehlen psychoonkologischer Beratungsangebote.

Nicht zuletzt soll es beim Symposium um das Thema Big Data gehen. Viele Innovationen in der Forschung kämen schon heute aus den USA und China, erläutert Hallek. Für mehr „Erkenntnisse made in europe“ müsse deshalb nicht nur die Datenspende zu wissenschaftlichen Zwecken befördert, sondern generell mehr Forschung mit Patientendaten ermöglicht werden – allerdings „zu Bedingungen, die wir Europäer definieren“.