DAK-Gesundheitsreport

Suchtkranke Erwerbsunfähige: Alkohol spielt größte Rolle

Berlin (pag) – Das Suchtrisiko Millionen Beschäftigter hat gravierende Folgen für die Arbeitswelt – das geht aus dem Gesundheitsreport 2019 „Sucht 4.0“ der DAK hervor. Unter allen Süchten hat Alkohol die schwerwiegendsten Auswirkungen.

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v.l.n.r.: Dr. Gitta Jacob, Psychologische Psychotherapeutin, PD am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck; Marlene Mortler (CSU), MdB, Drogenbeauftragte der Bundesregierung; Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit und Hans-Dieter Nolting, Geschäftsführer des IGES Instituts, Berlin © pag, Höhn

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Sucht vor dem Arbeitsplatz nicht Halt macht“, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU). „Ich wünsche mir, dass Suchtprävention auch Aufgabe jedes Arbeitgebers wird“, erklärt sie. Dieser habe Fürsorgepflicht: „Es darf kein Tabu mehr sein, über Sucht zu sprechen. Suchtprävention ist nicht gegen, sondern für die Wirtschaft.“ Der Bericht zeigt: Der Krankenstand bei betroffenen Erwerbstätigen ist doppelt so hoch im Vergleich zu Nicht-Betroffenen.

Aus der Studie geht hervor, dass jeder zehnte Arbeitnehmer einen riskanten Konsum aufweist – insgesamt betrifft dies rund vier Millionen Menschen. Etwa 160.000 Erwerbstätige sind alkoholabhängig. 74 Prozent der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen sind auf Alkohol zurückzuführen. Starker Termin- und Leistungsdruck sowie emotional belastende Situationen bei der Arbeit werden als mögliche Risikofaktoren genannt. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK, kritisiert, dass beim Thema Alkoholprävention flächendeckende und wirksame Angebote fehlen. Deshalb bietet die Krankenkasse ein neues Online-Selbsthilfeprogramm an.

Erstmals untersucht wurde auch das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Das Ergebnis: Rund 400.000 erfüllen die Kriterien dieser Sucht. Weitere Ergebnisse der Studie: 6,5 Millionen abhängige erwerbstätige Raucher, zudem greifen rund fünf Prozent der Beschäftigten zur E-Zigarette. „Dampfen mit Nikotin oder Tabak führt in die Abhängigkeit, genau wie herkömmliche Zigaretten“, warnt Storm. Der Kassenchef fordert ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und E-Zigaretten. „Auf Grundlage der Ergebnisse brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte zur Suchtproblematik“, resümiert er.