Rheumatologen

Forderungen für eine effektive Versorgung

Berlin (pag) – Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, also zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung, leiden unter entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Die Betroffenen sehen im Durchschnitt nicht schnell genug einen Rheumatologen, ein Drittel der Betroffenen sogar nie – diese Situation kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Laut Berechnungen der DGRh fehlen aktuell rund 600 Rheumatologen, um zu einem vernünftigen Versorgungsschlüssel von zwei Rheumatologen pro 100.000 Einwohnern zu kommen – insgesamt gibt es 756 Rheumatologen. Die DGRh führt an, dass nicht genug an den Universitäten getan würde, um Medizinstudenten für das Fach zu begeistern: „Studierende haben während ihres gesamten Medizinstudiums nur 14 Vorlesungsstunden in Rheumatologie, sechs rheumatologisch-praktische Übungen und sieben Stunden Übungen am Krankenbett“, kritisiert Prof. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh. Lorenz fordert, rheumatologische Lehrstühle an allen medizinischen Fakultäten einzuführen – bislang gibt es sie nur an sieben Unis: „Die Folge ist eine zu geringe Anzahl an internistischen Rheumatologen“, sagt Lorenz.

Prof. Hanns-Martin Lorenz © pag, Fiolka

Weiterhin kritisiert die Gesellschaft die Vergütung für Rheumatologen, die aus dem gedeckelten Budget für Internisten gezahlt wird. Das Budget sei zu niedrig und die DGRh fordert ein eigenes Budget für Rheumatologen, abgestimmt auf eine angestrebte steigende Anzahl von Medizinern in diesem Fachbereich: „Die Erwerbstätigkeit ist nicht lukrativ“, sagt Dr. Kirsten Karberg, Vorsitzende des Rheumazentrums Berlin. Sie führt aus, dass Rheumatologen in Berlin 32 bis 34 Euro pro Patient und Quartal von den Krankenkassen erstattet bekommen würden, dies vor dem Hintergrund, dass Patienten gegebenenfalls mehrmals pro Quartal gesehen werden müssten und Rheumatologen „gesprächsorientiert arbeiteten“, sprich mindestens 15 bis zwanzig Minuten pro Patient einplanen sollten – die Vergütung sei viel zu niedrig.

Ziel der DGRh ist es, die Wartezeit auf einen Termin beim Rheumatologen ausgehend von den ersten Symptomen auf zwei Wochen zu reduzieren. Aktuell liegt zwischen Symptomen und Besuch beim Rheumatologen durchschnittlich ein Jahr. Dies habe auch damit zu tun, dass Hausärzte nur zaghaft überweisen würden, aus der Befürchtung heraus, ihr Patient bekäme sowieso keinen Termin beim Rheumatologen. Aber auch die Sensibilität der Hausärzte, eine rheumatische Erkrankung in Betracht zu ziehen, müsse angesichts der oftmals komplexen Symptomatik gesteigert werden, so die Gesellschaft.