Genexpressionstests

Pathologen warnen vor zentralisierter Diagnostik

Berlin (pag) – Der Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP) wehrt sich gegen eine „überzentralisierte und zudem rein technische Werteermittlung“ durch industrielle Leistungserbringer bei der Gendiagnostik bei Brustkrebs. Dies schade den Tumorboards, sagt BDP-Präsident Prof. Karl-Friedrich Bürrig kürzlich vor Journalisten. Als Gegenkonzept präsentiert der Verband einen Selektivvertrag mit der BKK VBU.

Prof. Karl-Friedrich Bürrig, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Pathologen © pag, Fiolka

„Eine Mutation ist keine Diagnose, sondern muss interpretiert werden“, unterstreicht Bürrig. Das Ergebnis eines Genexpressionstests einer Brustkrebspatientin beeinflusse die Auswahl der Therapie entscheidend. Daher könne man ihn nicht behandeln wie einen Kaliumwert. Nicht ohne Grund seien Pathologen ein wichtiger Teil von Tumorboards und stünden in regem Austausch mit den behandelnden Onkologen. Industrielle Tests könnten den Pathologen nicht ersetzen, mahnt Bürrig und warnt vor zentralisierten Versorgungsformen, auf die bereits einige Krankenkassen in Deutschland setzen würden.
Als Beispiel nennt er die AOK, die sich dem BDP-Präsidenten zufolge bei der Diagnostik von Eierstockkrebs bundesweit auf einen einzigen Laboranbieter in Kaiserslautern konzentriert. Auch Testkits von Pharmaunternehmen, die selbst Krebsmedikamente herstellen, sieht Bürrig kritisch. „Diese Produkte zielen nicht auf die Testung ab, sondern auf die Therapeutika und welche davon man verkaufen kann.“
Einen neuen Weg gehen die Pathologen mit der BKK VBU: Der Verband und die Kasse haben sich auf einen Selektivvertrag zu Genexpressionsdiagnostik für die Therapieentscheidung bei Brustkrebspatientinnen geeinigt. Die Absicht: Übertherapien vermeiden. Mithilfe der Tests sei es möglich, jene Frauen sicher zu identifizieren, die keine Chemotherapie benötigen, erläutert BDP-Geschäftsführerin Gisela Kempny. Dank des Abkommens „können wir jetzt Gendiagnostik betreiben, egal, wo sich die Patientin befindet“ – also sowohl ambulant als auch stationär. Dennoch, so Kempny, hoffe der Verband weiterhin darauf, dass solche Tests in die Regelversorgung Einzug erhalten. Diesbezüglich werde man „Druck auf die Selbstverwaltung ausüben“, kündigt sie an.

Der Vertrag zwischen BDP und BKK VBU ist nach Angaben der Beteiligten Hersteller-unabhängig gestaltet. Welchen Test der Arzt benutzt, ist demnach seine medizinische Entscheidung und spielt für die Erstattung keine Rolle. Einzige Voraussetzung: Der Test muss CE-zertifiziert sein. Vertragsstart war der 1. August 2017, bis November dieses Jahres werden laut BDP weitere 40 bis 50 BKKen einsteigen.