Kampagne

Über Medikationsfehler reden

Berlin (pag) – Über 2.500 Menschen sterben hierzulande jährlich durch Medikationsfehler. „Bei der Zahl der Todesopfer bewegen wir uns im Bereich der Verkehrstoten“, vergleicht Prof. Kai Kolpatzik, Chief Scientific Officer des Wort & Bild Verlags auf einer Pressekonferenz. Das vergegenwärtigt vor allem eins: Handlungsbedarf.

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In der aktuellen Publikation der „Apotheken Umschau“ erzählen Ärzte, Politiker, Apotheker, Patienten und Angehörige von Medikationsfehlern. Und wie aus ihnen gelernt werden kann. Damit befindet sich der Wort & Bild Verlag mitten im Auftakt seiner Kampagne für offene Fehlerkultur. Die aktuelle Umschau-Ausgabe enthält eine Medikamenten-Checkliste. „Ich weiß, welche Medikamente ich einnehme und warum“ – Ja? Häkchen setzen. Die Kampagne verfolgt eine Doppelstrategie. Zum einen sensibilisiere sie Patienten und stärke deren medikamentenbezogene Gesundheitskompetenz, so Kolpatzik. Zum anderen will der Verlag „die beteiligten Gesundheitsprofessionen dabei unterstützen, stärker auf die Fehlerprävention zu setzen, als nur im Rahmen einer Reparaturmedizin zu reagieren.“

Die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Gabriele Regina Overwiening betont den besonderen Stellenwert von Apotheken in der Arzneimittelsicherheit: Sie seien „Schutzschilder“ der Patienten vor Medikationsfehlern. An konkreten Fällen beschreibt sie, wie Apotheker und Ärzte per Vieraugenprinzip kooperieren, wie Apotheker ärztliche Verordnungen kritisch überprüfen, bisweilen Fehler entlarven und im Austausch mit den Medizinern korrigieren. „Viele unserer Leistungen bei Medikationsfehlern fallen den Patientinnen und Patienten gar nicht auf“, glaubt die ABDA-Präsidentin, denn der Austausch mit dem Arzt finde in aller Regel im Hintergrund statt.

Per Videobotschaft meldet sich auch die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, zu Wort: Zur Fehlervermeidung gehöre auch, Arbeitsabläufe adäquat zu gestalten. Etwa, dass Pflegekräfte das Stellen von Medikamenten sorgfältig erledigen können. Zudem betont sie, dass die Digitalisierung künftig einen „entscheidenden Beitrag“ zur Fehlervermeidung leisten werde.