Patientensicherheit

APS-Weißbuch: Viele Behandlungsfehler wegen mangelnder Sorgfalt

Berlin (pag) – In deutschen Kliniken gibt es pro Jahr bis zu zwei Millionen unerwünschte Ereignisse, 800.000 fehlerbedingte Komplikationen, 200.000 Behandlungsfehler wegen mangelnder Sorgfalt und 20.000 vermeidbare Todesfälle – dieses Fazit zieht das in Berlin vorgestellte Weißbuch des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Kliniken, Praxen, der Gesetzgeber aber auch die Patienten selbst seien gefragt, um die Sicherheit der medizinischen Behandlung zu verbessern.

V.l.:Prof. Dr. Matthias Schrappe, Hedwig François-Kettner, Ulrike Elsner und Michaela Gottfried © pag, Fiolka

„Das erste Drittel der unerwünschten Ereignisse sind Krankenhausinfektionen –Harnwegsinfektionen aufgrund eines schlecht gelegten Katheters, Lungenentzündungen, weil die Patienten zu lange auf Station liegen, postoperative Wundinfektionen und im Krankenhaus erworbene Darminfektionen durch das Norovirus, weil der Arzt die Hände vorher nicht desinfiziert hat“, sagt Prof. Matthias Schrappe, Autor des Weißbuchs. Ein weiteres Drittel machten medikamentenbedingte unerwünschte Ereignisse aus – eine falsche Arznei oder Dosis wird verabreicht, eine unerwünschte Wirkung tritt auf, weil wegen einer schwachen Niere eines Patienten die Arzneigabe nicht reduziert wurde. Das letzte Drittel sei ein Strauß an verschiedenen Komplikationen – die Seitenverwechselung bei der Knie-OP, der falsche Patient bekommt eine Medikamenten-Therapie, OP-Besteck wird im Patienten vergessen, im Dienstplan wird übersehen, dass an bestimmten Tagen kein Oberarzt verfügbar ist. Trotz der vielen Problemfälle klagten nur drei Prozent der betroffenen Patienten gegen eine Falschbehandlung.

APS und der Verband der Ersatzkassen (vdek) fordern, dass die Hygiene in Kliniken weiter verbessert wird und der Gemeinsame Bundesausschuss und das Robert Koch-Institut verpflichtet werden, „eine verbindliche bundeseinheitliche Hygiene-Richtlinie zu entwickeln“, sagt vdek-Chefin Ulrike Elsner. Verantwortliche in der Führungsebene müssten in allen Organisationen des Gesundheitswesens für das Thema Patientensicherheit benannt werden – in Kliniken, Pflegeheimen, im ambulanten Bereich. Fehlermeldesysteme in Kliniken müssten weiter ausgebaut werden, um unerwünschte Ereignisse strukturiert zu erfassen und auszuwerten, die Teilnahme an einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen verpflichtend sein – zurzeit beteiligten sich nur ein Drittel der Kliniken. Auch ein Implantateregister könnte die Patientensicherheit erhöhen. In Aus- und Fortbildung sei der Fokus verstärkt auf das Thema zu richten. Auch müsse der Patient stärker in die Behandlung mit einbezogen werden, um Fehler früher aufzuzeigen.