Krebstherapie

Flächendeckende Versorgung? Fehlanzeige

Berlin (pag) – Experten auf dem 19. Weltkongress für Psychoonkologie diskutieren angesichts der weltweit steigenden Krebsprävalenz über die besonderen psychosozialen und medizinischen Folgen für Krebspatienten. Das Hauptproblem: Eine flächendeckende Versorgung sei noch längst nicht sichergestellt.

Univ.-Prof. Dr. phil. Anja Mehnert, Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie © Uniklinik Leipzig

Laut Kongresspräsidentin Prof. Anja Mehnert sind die Probleme und daraus resultierende psychosoziale Bedürfnisse von Krebspatienten je nach Lebensphase sehr unterschiedlich. Bislang habe der Fokus der Psychoonkologie besonders auf Menschen zwischen 40 Jahren und Ende 50 gelegen. Bei ihnen sei die Mehrfachbelastung sehr hoch. Sie würden durch die Diagnose mitten aus dem Leben gerissen und seien mit vielen Herausforderungen konfrontiert, weil sie wüssten, dass sie als Eltern, Partner oder Kollegen gebraucht werden, erklärt Mehnert. Doch auch andere Patientengruppen benötigten psychoonkologische Unterstützung. Die Probleme seien oft andere, würden von den Betroffenen aber als ebenso belastend empfunden. Bei betagten Patienten bestünden häufig Multimorbidität und daraus folgend schwierige Behandlungsentscheidungen. Bei sehr jungen Menschen könne die Krankheit die psychische und soziale Entwicklung beeinträchtigen, die Betroffenen hätten aber gleichzeitig weniger Lebenserfahrung, mit Krisen umzugehen als ältere Patienten, fasst Mehnert  zusammen. Junge und alte Patienten seien in den vergangenen Jahren zwar zunehmend in den Fokus der psychoonkologischen Forschung gerückt, etablierte psychoonkologische Versorgungskonzepte fehlten allerdings noch – dessen sind sich die Experten sicher. 

Für die beiden Kongresspräsidenten ist die Psychoonkologie für eine patientenzentrierte onkologische Versorgung unabdingbar. „Psychoonkologen sollten Teil des in multidisziplinären Behandlungsteams sein“, fordert Ko-Kongresspräsident Prof. Florian Lordick. Denn die psychologische Versorgung sei weit mehr als nur „nice to have“: Erlebens- und Verhaltensfaktoren spielten eine wichtige Rolle für Therapietreue, Lebensqualität sowie Morbidität und Mortalität. „Die psychoonkologische Versorgung ist in Deutschland noch längst nicht für alle Patienten sichergestellt, verbesserte Konzepte und eine Regelfinanzierung sind notwendig“, fordert Mehnert.