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DRGs gehen zulasten der Diabetes-Versorgung

Berlin (pag) – Mit einigen gesundheitspolitischen Forderungen im Gepäck macht sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) auf den Weg zu ihrer 56. Jahrestagung (25. bis 28. Mai). Ganz oben auf der Liste steht dabei die Reform des DRG-Systems. Denn das gehe zulasten der Diabetes-Versorgung.

Die Hauptdiagnose Diabetes bringe wenig Erlöse, deswegen werde oft eine andere Diagnose kodiert, zum Beispiel eine Herz-Kreislauferkrankung oder eine Infektion, um mehr Geld einzunehmen. Diabetes sei deswegen automatisch immer eine Nebendiagnose, erläutert DDG-Vizepräsident Prof. Andreas Fritsche auf einer virtuellen Pressekonferenz im Vorfeld des Diabetes-Kongresses. Das führe zwangsläufig zu einer Unter- und Mangelversorgung von Menschen mit Diabetes.

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Der Mediziner kritisiert zudem, dass in den Krankenhäusern immer weniger diabetologische Abteilungen zu finden seien. „Das ist eine große Gefahr.“ Auch an Fachpersonal mangele es. Dabei sei die Zahl der Fälle in den Krankenhäusern hoch. Fritsche: „Jeder fünfte stationär behandelte Patient hat Diabetes.“ Vermutlich sei die tatsächliche Zahl noch höher, denn ein Diabetes-Screening oder die Bestimmung des HbA1c-Wertes fände in der Regel bei Krankenhauspatienten nicht statt. Auch das müsse sich ändern, betont Fritsche.

Nach Auffassung von DDG-Präsident Prof. Andreas Neu müsse Diabetes verstärkt in Aus- und Weiterbildung berücksichtigt werden. Er fordert unter anderem „Lehrstühle an allen medizinischen Fakultäten.“

Für den ambulanten Sektor schlägt der diesjährige Kongresspräsident Prof. Jens Aberle ein jährliches Diabetes-Screening vor. Derzeit finde dies nur alle drei Jahre statt. „Das ist ein gutes Instrument, um die Diabetes-Fälle zu erkennen.“

Und die werden sehr wahrscheinlich stark zunehmen. Fritsche beruft sich auf Untersuchungen, die von 12 Millionen Diabetes-Patienten in 2040 ausgehen. „Und das ist eher eine konservative Modellierung.“ Der DDG-Vize kalkuliert mit mehr Fällen. Ein Indiz liefert eine Studie im Auftrag der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Demnach hätten 30 Prozent der Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren während der Pandemie zugenommen.