Arzneimittel

AOK: Rabattverträge verursachen keine Lieferengpässe

Berlin (pag) – „Den Schwarzen Peter wollen wir nicht“, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, auf einem Pressegespräch. Dort geht es um Lieferengpässe von Arzneimitteln. An denen seien nicht die Rabattverträge schuld, betonen die Allgemeinen Ortskrankenkassen.

Von links: Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg und Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) © pag, Fiolka

Über Engpässe bei Arzneimitteln wird intensiv politisch debattiert, im Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz sollen Regelungen dazu aufgenommen werden. Viele Lösungsvorschläge werden von AOK-Seite begrüßt – etwa die Meldepflicht für Hersteller und Großhändler, der Aufbau einer nationalen Reserve. Auf erbitterten Widerstand stößt allerdings eine verpflichtende Mehrfachvergabe bei Rabattverträgen. „Nicht Liefersicherheit, sondern Profitstreben ist der Anlass für Pharmafirmen, wenn sie exklusive Rabattverträge abschaffen wollen“, sagt Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg und Chefverhandler der AOK-Rabattverträge. Er spricht von einer Kampagne, die – „bei ganz hoher Lieferfähigkeit“ – Teile der Politik „kirre“ mache.

Die Herstellung im Auftrag eines anderen Unternehmens, die sogenannte Lohnherstellung, ist laut Auswertungen der AOK Baden-Württemberg bei europäischen Generikaherstellern die Regel: Unter 193 in Europa tätigen Herstellern gebe es nur elf, die für sich selbst produzieren. Von den Arzneimitteln zu 230 generischen Wirkstoffen werden 93 Prozent in der EU ausschließlich über Lohnhersteller produziert. „Was soll sich verbessern, wenn drei Unternehmen den Zuschlag erhalten, deren Produkte alle aus derselben Fabrik kommen?“, fragt Hermann.

Laut Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK stärken Exklusivverträge die Therapietreue der Patienten: 2018 haben 82,7 Prozent der Patienten, die ihren rabattierten Wirkstoff von einem exklusiven Rabattpartner über einen längeren Zeitraum einnehmen, ihr Medikament dauerhaft von demselben Hersteller erhalten. Bei Wirkstoffen bzw. -kombinationen, bei denen sich mehrere Rabattpartner die Versorgung teilten, erhielten nur 69,1 Prozent das Arzneimittel immer vom selben Hersteller. Der Anteil lieferbarer Präparate unter AOK-Rabattvertrag liege bei 99,7 Prozent.