Vorläufiges Finanzergebnis

Kassendefizit wächst auf zwei Milliarden

Berlin (pag) – Das Finanzloch bei den gesetzlichen Krankenkassen wird größer: Nach der vorläufigen Bilanz für 2020, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlicht hat, fahren die Kassen ein Minus von über zwei Milliarden Euro ein. Zusammen mit dem Defizit im Gesundheitsfonds kommt die GKV auf ein Minus von über sechs Milliarden Euro.

Bis auf die landwirtschaftliche Krankenversicherung – sie kann einen Überschuss von 58 Millionen Euro erzielen – verbuchen 2020 alle Kassenarten Defizite: die Ersatzkassen 1,1 Milliarden Euro, die AOKen 974 Millionen, die Betriebskrankenkassen 235 Millionen, die Innungskrankenkassen 250 Millionen und die Knappschaft 138 Millionen Euro. Insgesamt summiert sich das auf ein Defizit von 2,65 Milliarden Euro, nach einem Minus von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2019. Hinzu kommen rote Zahlen im Gesundheitsfonds: Das Defizit beläuft sich dort auf rund 3,5 Milliarden Euro.

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Wachsendes Defizit: Die Zeit der Überschüsse scheint für die Krankenkassen vorbei. Noch ist offen, wie die Lücken in Zukunft gestopft werden sollen. © stock.adobe.com, bluedesign

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Die Ausgaben der Krankenkassen für Leistungen und Verwaltungskosten steigen laut BMG 2020 um vier Prozent. Im Bereich der ärztlichen Behandlungen gibt es trotz Pandemie mit 7,3 Prozent „deutlich überproportionale Zuwächse“ auf 44 Milliarden Euro (2019: 41,1 Milliarden Euro). Gleichzeitig, so merkt der GKV-Spitzenverband an, ist die Zahl der Patienten zurückgegangen – allein im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 von 299 auf 277 Millionen kurativ-ambulante Fälle (minus sieben Prozent). Bei den ärztlichen Früherkennungsmaßnahmen gibt es einen Rückgang von 2,8 Prozent. Da für das zweite Halbjahr noch keine Abrechnungsdaten der Ärzte vorliegen, beruhen die Veränderungsraten noch auf Einschätzungen der Kassen, so das BMG.

Die Krankenhausausgaben steigen um rund 1,3 Milliarden Euro bzw. 1,7 Prozent auf 82 Milliarden Euro. Hinzu kommen bis Ende Dezember zusätzliche 9,4 Milliarden Euro aus Steuermitteln für freigehaltene Betten sowie rund 700 Millionen Euro für die Erhöhung der Kapazitäten von Intensivbetten aus Mitteln des Gesundheitsfonds.

Während sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Blick auf dieses Jahr zufrieden zeigt, dass die Beitragssätze der Kassen stabil gehalten wurden, blickt der GKV-Spitzenverband schon weiter. 2022 drohe eine Finanzierungslücke im zweistelligen Milliardenbereich. Als eine Lösung schlägt der Kassenverband einen dauerhaft erhöhten Bundeszuschuss vor.

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