Im Frühling droht Impfstau

Berlin (pag) – Im März könnten die Impfzentren bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, weil immer mehr Impfstoffe gegen Corona zur Verfügung stünden. Von diesem Szenario geht das Zentralinstitut (Zi) für die kassenärztliche Versorgung aus und rät dringend dazu, schnell die Arztpraxen in die Impfkampagne einzubinden.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) stellt das Zi eine Modellrechnung vor. Diese zeigt, welche Kapazitäten für die Verimpfung vor Ort bei unterschiedlichen Szenarien notwendig seien. „In den Märzwochen dürfen wir schon Überschüsse erwarten“, sagt Zi-Vorsitzender Dr. Dominik von Stillfried, wenn man von 300.000 Impfungen am Tag ausgeht. Ab Mai könnte die Lücke schon 3,5 Millionen Dosen pro Woche betragen und bis Juli sogar auf etwa 7,5 Millionen anwachsen. Um einen Impfstau und ein „politisches Debakel“ zu verhindern, sollte zügig gehandelt werden.

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Die Impfzentren könnten schon bald an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Ärztevertreter wie KBV-Chef Dr. Andreas Gassen bringen sich schon mal in Stellung. © pag, Fiolka

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„Wir müssen zweigleisig fahren", fordert deswegen KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. „Die Praxen müssen so schnell wie möglich in die Lage versetzt werden zu impfen." Spätestens im April. Und wenn genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen, würde sich die Frage der Priorisierung erübrigen, sind sich KBV und Zi sicher. Gassens Vize Dr. Stephan Hofmeister betont, dass die Niedergelassenen bereit seien. Pro Tag könnte jede Praxis mindestens 20 Patienten impfen. Am Anfang werde es sicherlich einen Ansturm geben, deswegen geht die KBV davon aus, dass einige Praxen auch am Wochenende arbeiten. Diese Entscheidung solle man aber den Vertragsärzten selbst überlassen. „Auch wir könnten uns vorstellen, einen Impfsamstag anzubieten“, kündigt Gassen für seine unfall-orthopädische Praxis an. Und wie kommt der Patient zu seiner Impfung? Der KBV schwebt vor, dass sobald der Impfstoff flächendeckend zur Verfügung steht, die Bevölkerung aufgerufen wird, sich zwecks Terminvereinbarung mit den Arztpraxen in Verbindung zu setzen.

Die Expertise des Zi wollen das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und die Gesundheitsministerkonferenz der Länder für den Impfplan und die nationale Impfstrategie berücksichtigen.

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