Entwicklung von Medizinischen Informationsobjekten

ePA: KBV will Interoperabilität gewährleisten

Berlin (opg) – Damit Ärzte die elektronische Patientenakte (ePA) füttern, lesen sowie ihre Inhalte strukturiert nutzen können, entwickelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ein einheitliches Format: die Medizinischen Informationsobjekte, kurz MIOs. Das erste dieser Art, der Impfpass, steht bereits online zur Kommentierung bereit.

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Der KBV-Vorstand (von links): Dr. Thomas Kriedel, Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Andreas Gassen © pag, Fiolka

„Mit den MIOs tritt im medizinischen Informationsaustausch ein einheitliches Format an die Stelle von vielen verschiedenen Formaten“, heißt es im MIO-Infoblatt der KBV. Ein MIO kann beispielsweise ein einzelner digitaler Informationsbaustein sein, aber auch ein aus mehreren Bausteinen zusammengesetztes Element. „Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat gesetzlich den Auftrag bekommen, inhaltliche Festlegungen für die elektronische Patientenakte zu treffen, um die semantische und syntaktische Interoperabilität zu gewährleisten“, erklärt KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen am 22. Januar vor Journalisten. Klingt sperrig, heißt im Klartext: Der Empfänger sieht in der ePA das Gleiche wie der Versender. Gassen spricht von einer „Pionierrolle, die wir wahrscheinlich weltweit übernehmen“.

Den Anfang macht der Impfpass

„Der Impfpass ist das erste Medizinische Informationsobjekt, das wir entwickelt haben“, teilt KBV-Vorstand Dr. Stephan Hofmeister mit. „Der Arzt in der Notaufnahme kann dann beispielsweise sofort sehen, ob eine Tetanus-Immunisierung erforderlich ist oder nicht.“ Mithilfe einer Erinnerungsfunktion könnten Arztpraxen ihre Patienten rechtzeitig über fällige Impfungen informieren. Die KBV setzt bei der Entwicklung ihrer MIOs auf einen transparenten Prozess. Die Medizinischen Informationsobjekte gehen in eine öffentliche Kommentierungsphase. Für den Impfpass ist das bereits geschehen. Rein theoretisch kann jeder Interessierte dieses MIO unter mio.kbv.de bewerten. „Wir nehmen alles ernst“, verspricht KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Nach der Kommentierung folgt die Herstellung des Benehmens, in der relevante Organisationen wie die Partner der Selbstverwaltung Stellungnahmen abgeben können. Diese werden im Anschluss geprüft und eventuelle Änderungen eingearbeitet. Darauf folgt die Veröffentlichung. Die KBV-Vertreter setzen zwar auf Kooperation, Kriedel sagt aber auch: „Am Ende muss einer sagen: So wird es gemacht.“ Und dieser eine ist die KBV.

„How to cook my MIO“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wünscht sich, dass auch andere Organisationen wie Fachgesellschaften oder Berufsverbände MIOs entwickeln. Dafür ist eine Art Kochbuch „How to cook my MIO“ geplant, wie Dr. Bernhard Tenckhoff, Leiter der Stabstelle Innovation, Strategische Analyse und IT-Beratung bei der KBV, verrät.
Bei den nächsten MIOs handelt es sich um das Zahnärzte-Bonusheft (dafür arbeitet die KBV mit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung zusammen), den Mutterpass und das Untersuchungsheft für Kinder. Die KBV pocht außerdem darauf, dass die künftig vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu genehmigenden Gesundheits-Apps auf Rezept ebenfalls MIO-standardisiert sind.